Assoziationen Dissoziationen – und umgekehrt.
Hysterie an der Quellenstrasse

Ein Festival zur Preisverleihung am 4. September 2021 im Innenhof an der Quellenstrasse 25, 8005 Zürich

Da geht es nicht nur um Psychoanalytisches, auch um Politisches und Soziales, um Architektur und Kunst, um Kulturen und Wissenschaften, um das Verhältnis von Innen und Aussen. Bei der Hysterie sitzen wir ja an der Quelle und so wird das Festival im Innenhof der Quellenstrasse stattfinden und wir wollen es sprudeln, laufen und sich inszenieren lassen. Deshalb haben wir unsere Nachbarn dort eingeladen, aber auch solche aus anderen Orten und Ländern, aus anderen Gebieten und Bereichen, um zusammen ein rauschendes und hysterisches Fest zu feiern.

Sie sind eingeladen jetzt schon, hier schon mitzumachen, mit diesem Auftakt weiter zu spielen, weiter zu tanzen, weiter zu denken, es weiter mit uns zu treiben – mit Bildern, Videos, Tönen und Klängen, mit Texten ganz nach Lust und Laune!

Dissoziationen –> neue Ideen, neue Vorschläge, andere Blicke
Assoziationen –> sie wieder verbinden, mit ihnen es erweitern, es ausweiten

Call for Contributions

Schauen Sie sich das Video und laden Sie einen Beitrag hoch – es kann ein Text oder jedes andere Medium, ein Beitrag nur für den Blog oder der Vorschlag für einen Beitrag an der Veranstaltung am 4. September 2021 sein.

Ziel dieses Blogs ist es, Gedanken und Anregungen zum Thema unserer Veranstaltung zu versammeln und eine offene und faire Diskussion zu den dabei angeschnittenen Fragen anzuregen, in der die Meinung anderer respektiert wird und so die Diskussion wichtiger Fragen weiter getrieben werden soll. 
 
Beiträge werden vor einer Veröffentlichung daraufhin überprüft, ob sie andere Menschen diskriminieren (z.B. wegen ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer Sprache, ihrer Abstammung, ihrer religiösen Zugehörigkeit, ihrer sexueller Orientierung oder ihrer Weltanschauung). Nicht erwünscht ist zudem die Nennung von Einzelpersonen, sofern sich die Namensnennung nicht auf publizierte und der Öffentlichkeit zugängliche Inhalte bezieht. 
 
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28 Kommentare

  1. Eulalia

    Vielleicht Eulalia? Oder Kunigunde? Oder Klaus-Dieter? Oder OK? Oder KO? Oder falo? Oder nessellenk? Oder vielleicht umgekehrt?

    Zum Ort des Analytikers
    Als Analytiker ist man am Ort des verlorenen Objekts positioniert. Bei allen Festlegungen, bei allem Wissen, ist man immer wieder und nicht von ungefähr im Ungewissen. Odysseus, der Listenreiche, wusste schon davon als er Polyphem, dem einäugigen Zyklopen als Gastgeschenk drei Becher schweren Weins anerbot. Um sein Gegengeschenk dann machen zu können, fragt der Zyklop Odysseus nach seinem Namen. ‘Niemand» antwortet dieser darauf. In der Nacht rammen Odysseus und seine Gehilfen Polyphem einen Pfahl in sein einziges Auge, worauf dieser die anderen Zyklopen zu Hilfe ruft. Als die ihn fragen, was denn sei, ruft er: ‘Niemand’ will mich töten… Worauf diese von dannen zogen.

    ‘Niemand’ zu sein, ist die Bedingung, um dem Gefängnis entrinnen zu können, in das er auf seinen Irrfahrten geraten war und da die Reise als letzter Ort zu beenden drohte. ‘Niemand’ zu sein, ist die Bedingung für sein Weiterleben, um Schicksal und Geschichte haben zu können. So wie Odysseus greift auch der Analytiker dazu, ‘niemand’ zu sein, um die Reise, die Analyse weitertreiben zu können.
    Das Verhältnis von Ich, Produktion und dem ‘Niemand’, umriss auch Fernando Pessoa, wenn er in seinen «Fragmenten» schrieb:

    «Einmal hat man mich einen materialistischen Dichter genannt,
    und ich staunte, weil ich nicht dachte,
    dass man mich überhaupt etwas nennen könnte …
    Wenn das einen Wert hat, was ich hier schreibe,
    so ist’s nicht mein eigner:
    Der Wert liegt in ihnen, in meinen Versen.»

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  2. Carla Thür

    Project Short Film – Like in a Dream

    Ich möchte euch gerne auf unseren Kurs zur Verfilmung von Träumen an der F+F Schule hinweisen.
    Das Material aus Träumen ist so vielfältig: es kann verstörend, belustigend, beängstigend und vieles mehr sein. Es folgt nicht der Logik, wie wir sie im wachen Zustand kennen. Kann die Sprache der Träume neue Blickwinkel auf die Realitäten eröffnen? In diesem Kurs wollen wir die Offenheit des Traummaterials nutzen, um eigene Kurzfilme zu produzieren. Dabei lernen wir, ein eigenes Projekt zu realisieren, von der Idee bis zur Umsetzung (Verfilmen, Filmbearbeitung, Ausstellung). Wir beschäftigen uns sowohl mit den theoretischen Fragen bezüglich Träumen, Bildern und Repräsentationen, als auch mit den praktischen Fertigkeiten bei der Erstellung eines Kurzfilms.

    Der Kurs findet statt vom 19.-23. Juli jeweils von 9.00-16.00 Uhr

    Anmeldungen unter:
    https://ffzh.ch/Weiterbildungskurse/?KursId=6994

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  3. OK

    Rotraut de Clerck hat einen Text über die österreichische Malerin Maria Lassnig geschrieben mit dem Titel: Malen innerer und äusserer Realität und Körpergefühl.

    Dem Text sind drei bemerkenswerte Zitate als Motto vorangestellt:

    «Mich endgültig formen möchte ich so spät wie möglich» (Robert Walser)

    «Ich bin ein Realist, der mit dem Realismus nicht zufrieden ist» (Maria Lassnig)

    «Neues Wissen entsteht durch das bewusste Durchbrechen von Regeln – auch in der Kunst» (Maria Lassnig)

    Der Text beginnt dann mit dem Bild Du oder Ich, auf dem eine Frau, die Künstlerin, nackt gezeigt wird, die mit weit aufgerissenen Augen auf uns schaut, in der rechten Hand eine Pistole auf uns Betrachter richtet, während sie mit der linken Hand mit einer Pistole auf ihre Schläfe zielt. Eindrücklich, sehr eindrücklich!

    «Tua res agitur, das geht Dich an», wird da gesagt und weiter darauf gezeigt, dass es nicht nur um Aggression und Leid geht, sondern auch um Gewalt und Lust, Sexualität. Denn immerhin wird auf uns gezielt, das Bild richtet sich an uns und es wird auf uns mit einer Waffe gezielt, so wie Amor auf uns mit seinem Pfeil und Bogen zielt. Wir sollen ins Herz getroffen werden, ins Zentrum unseres Lebens, ins Zentrum unserer Lust und der Liebe.

    Du oder Ich markiert als Titel damit eine Spannung, die eine Ausschliesslichkeit zu formulieren scheint, die sich auf dem Bild in dem Sinn zeigt, dass es die Frage stellt, ob es eher zu einem Schuss auf uns oder auf sich selbst kommt. Gleichzeitig sind beide Aspekte, beide Schussrichtungen auf eine faszinierende, unzweifelhaft beunruhigende Art und Weise miteinander verbunden.

    Das Bild erinnert daran wie nackt, wie ausgeliefert wir in dieser Spannung sind, die immer eine Bedrohung, aber ebenso – man denke an den Pfeil Amors – die Sehnsucht nach dem anderen ist. Eine eindrückliche Veranschaulichung dessen, worum es bei unserem Thema geht: Assoziation Dissoziation – und umgekehrt.
    Für Psychoanalytikerinnen ist es nicht weit an die Ambivalenz bei Freud zu denken, an diesen Konflikt zwischen Liebe und Hass, der unser Verhältnis zum Objekt bestimmt – das wiederum nicht nur das äussere, sondern auch das innere ist – auch da geht es immer umgekehrt. Und diese Ambivalenz ist bei Freud gerade keine auflösbare, weshalb er sie immer schon mit dem Trieb assoziiert hat, der eben auch nicht einer ist bei ihm, sondern immer zwei. Die zweite Triebtheorie mit Eros und Thanatos hat dieses Bild sehr treffend beschrieben und die Darstellung dessen, worum es geht, nicht zu etwas Akzidentiellem gemacht – was es auf diesem Bild auch nicht ist.

    Die Konstruktion des Selbst ist damit nicht eine, die aus sich selbst passiert, sondern immer auf etwas anderes – und auch auf einen anderen – verwiesen ist. Sie steht genau in dieser Differenz des Du oder Ich wie der Titel des Bildes heisst, mit dem sie begonnen hat – jedoch nicht als Ausschliesslichkeit. Dieses andere ist eben nicht auszuschliessen, es ist wesentlicher Teil der Konstruktion unseres Selbst, auch dann, wenn sich diese Dimensionen so orthogonal gegenüberstehen, wie es im Bild der Fall ist.

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  4. Claudia Maria Lehner

    „Einst träumte Zhuang Zhou – da war ein Schmetterling, ein Schmetterling, der verspielt hin und her flattert, wie es ihm gefällt, in glücklicher Übereinstimmung mit sich. Da war kein Wissen von einem Zhou. Plötzlich kam es zum Erwachen – da war ganz und gar, ganz handfest Zhou. Es ist ungewiss, ob Zhou im Traum zum Schmetterling wird, oder ob der Schmetterling im Traum zu Zhou wird. Es gibt Zhou und einen Schmetterling, also gibt es da bestimmt einen Unterschied. Dies nennt man die Wandlung der Dinge.“ (Kapitel 2.14)

    Zhuāng Zhōu (莊周 / 庄周)
    um 365 v. Chr. – 290 v. Chr

    Zhuangzi (Dschung Dsi), Prof. Günter Wohlfart, Seite 69, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2001

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  5. Immer einfach weiter - wirklich weiter

    Wie steht es denn eigentlich um das Verhältnis zwischen Assoziation/Dissoziation einerseits und psychischer Entwicklung andererseits? Haben die was am Hut miteinander?

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    • Olaf Knellessen

      Wir wissen ja mit Joe Cocker, dass man den Hut auflassen kann, weil das die Sache und die Ansicht noch heisser und noch schärfer macht, weil er die Nacktheit bricht und damit noch aufregender macht, weil die Nacktheit ihn erst zu einem sehenswerten Accessoire macht, bei dem es ja nicht einfach um die Funktion geht und darum den Kopf zu bewahren oder nicht nass werden zu lassen. Und natürlich ist er ziemlich queer, der Hut, stellt die Verhältnisse zwischen Männlein und Weiblein förmlich auf den Kopf. Also DANKE für den Hut!!!!

      Damit ist ja schon angedeutet – wir haben es ja gerne mit den Deutungen –, dass dieses Spiel von Assoziationen Dissoziationen und umgekehrt genuin und notwendig ist, dass nicht nur Kontinuität, Zusammenhänge und Empathie wichtig sind, sondern mindestens ebenso sehr die Brüche. Es ist ja nicht nur so – wie man bisweilen den Eindruck bekommen könnte –, dass man bekommen müsse, was man braucht, dass die Eltern – je einzeln oder zusammen –, das zur Verfügung stellen, liefern müssten, es ist auch nicht so, dass die Therapie und der Therapeut das geben müssten oder geben könnten. Brüche und Einbrüche sind konstitutiv für Entwicklung, weil die Abwesenheit konstitutiv ist zur Ausbildung innerer Strukturen, weil das Objekt, um das es in der Psychoanalyse geht, immer schon das verlorene ist und nicht das anwesende und präsente. Diese Notwendigkeit es immer wieder nicht nur zu finden, sondern vor allem zu bilden und herzustellen, es zu formen und umzuformen ist ja nicht nur Gegenstand der psychischen Entwicklung, die nicht aufhört, es ist diese Entwicklung, die zudem zu keinem Ende kommt.

      Das ist ein Allgemeinplatz.

      Ein anderer Topos der Entwicklung und bestimmter Varianten von Entwicklungstheorie ist das Verhältnis von Phantasie und Realität, von Wunsch und Wirklichkeit, und dieses wird unter der Notwendigkeit gesehen, da Dissoziationen herzustellen, Trennungen vorzunehmen. Es sei wichtig für das Kind, den Jugendlichen – und weil weder das eine noch das andere je aufhören und ist das eigentlich ein Fluch oder ein Glück? – und den Erwachsenen den Wunsch von der Wirklichkeit zu unterscheiden, einzusehen, dass die Phantasie nicht Realität ist. In einem solchen Prozess der Bescheidung entstehe das Wachsen der Person und der Persönlichkeit. So müssen wir vom PSZ uns ja zum Beispiel daran gewöhnen, dass wir uns nicht nur an die Buchstaben des Gesetzes und seiner Verordnungen halten müssen, sondern diese besser schon rechtzeitig erfüllen, damit wir unsere Akkreditierung nicht verlieren. Es sei schon sinnvoll, sich da den Verhältnissen zu fügen und von unseren Vorstellungen darüber abzulassen, wie wir die Weiterbildung verstehen wollen. Weiter würde dazu gehören, dass wir zudem andere Trennungen vollziehen, nämlich die von Kolleginnen, die nicht unseren Vorstellungen entspreche, was und wie Analytiker sein sollen. Anerkennung würde nur dann Wert bekommen, wenn es auch Ablehnung gibt, und diese müsse sich in Ausschlüssen kundtun.
      Das scheint auch eine Bestätigung dieses Spiels von Assoziationen Dissoziationen zu sein.

      Nun kennen wir ja alle diese Situationen, in denen man sich nach Handfestem sehnt, nach einer Klarheit. Es gibt sie nicht nur in der Jugend, wenn man auf den Gedanken kommt, dass es doch viel erfüllender wäre statt zu lernen und zu studieren einen handfesten Beruf zu lernen, bei dem klar wäre, was man zu tun hat. Manchmal legt sich eine solche Vorstellung in andere Zeiten, von denen dann gesagt wird, dass es damals wirklich noch grosse Herausforderungen gab, die wir heute in einer Zeit der Saturiertheit nicht mehr hätten. Ebenso kann sie in andere Länder und Regionen verlegt werden, in denen beispielsweise politische Kämpfe toben, bei denen es um etwas geht, was in unseren Gegenden nicht mehr zu haben wäre. Auch in diesen Situationen scheint es klar zu sein, dass man sich nun der Realität zuwenden und die Flausen im Kopf lassen müsse. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

      So sicher dürfte das wohl kaum sein. Warum soll man nicht die Taube auf dem Dach nehmen und den Flug beginnen, mit ihm abheben und die Wünsche und Träume umsetzen, an ihnen festhalten. Heisst das wirklich, dass man damit die Realität verpasst, dass man an ihr scheitern müsste. Natürlich ist es so. Wie könnte man anders als an ihr scheitern. Das ist freilich nicht anders, wenn man sich ihr – beziehungsweise dem, was als sie bezeichnet, was ja auch nur ein Wunsch, ein Desiderat ist, so als ob es diese Realität, auf die man sich als gegebene und sichere beziehen könnte, als solche wirklich geben würde – von vornherein verschreibt. Das schützt keinesfalls vor dem Scheitern. Und ein Absturz des Fluges, des Fliegens, des Auffliegens muss nicht heissen, dass man nun am Boden entlang sich bewegen müsse, weil man dann zum Glück diesen unter den Füssen hätte. Es kann genauso heissen – Sisyphus hat davon nicht einfach als Resignation, sondern auch als Lust immer neuer Herausforderung erzählt – wieder aufzufliegen und es anders zu machen. Wie sonst hätten wir sonst fliegen gelernt, wie sonst könnten wir es lernen, wenn es Ikarus nicht gegeben hätte.

      So ist es auch mit Schweben, das ja auch ein Fliegen ist. Das Fliegen in der Analyse, wenn sie gleichschwebend ist. Da kann es auch nicht anders als zu Abstürzen kommen, was nicht heissen sollte und muss, dass es mit der gleichschwebenden Aufmerksamkeit aufhören soll.

      Also: ja, ja, die Brüche gehören schon dazu, ohne sie geht es kaum. Und sie führen zu neuen Anfängen, zu einem neuen Abheben, zu neuen Verbindungen und genau so geht es weiter und das ist doch das, was Entwicklung ausmacht: dass sie weitergeht. You can leave your hat on – lass es fliegen und heb damit ab, lass sie fliegen, die Lust und immer weiter…

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  6. Insa Haertel

    „Die Psychoanalyse […] ist eine dynamische Auffassung, die das seelische Leben auf ein Spiel von einander fördernden und hemmenden Kräften zurückführt. Wenn in einem Falle eine Gruppe von Vorstellungen im Unbewußten verbleibt, so schließt sie nicht auf eine konstitutionelle Unfähigkeit zur Synthese, die sich gerade in dieser Dissoziation kundgibt, sondern behauptet, daß ein aktives Sträuben anderer Vorstellungsgruppen die Isolierung und Unbewußtheit der einen Gruppe verursacht hat. Den Prozeß, der ein solches Schicksal für die eine Gruppe herbeiführt, heißt sie ‚Verdrängung‘ und erkennt in ihm etwas Analoges, wie es auf logischem Gebiete die Urteilsverwerfung ist. Sie weist nach, daß solche Verdrängungen eine außerordentlich wichtige Rolle in unserem Seelenleben spielen, daß sie dem Individuum auch häufig mißlingen können und daß das Mißlingen der Verdrängung die Vorbedingung der Symptombildung ist.“ (Freud 1910)

    „Bevor sie sich als Klinik oder Theorie spezifiziert, bestimmt sich die Psychoanalyse zunächst als ‚ein Verfahren zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind‘ (Freud, 1923a, S.211). Diese Methode wird nun immer wieder als analytische, als assoziativ-dissoziative bestimmt, wobei die ‚freie Assoziation‘*oder die ‚freien Einfälle‘* nur als Weg benutzt werden, um jeden vorgegebenen Sinn aufzulösen. Eine analytische Methode also, von der man voraussetzt, daß sie mit dem von ihr postulierten Objekt in Übereinstimmung steht: der ‚[sogenannten] unbewußten Vorstellung‘. Gerade diese Zugangsweise berechtigt uns, im angepeilten Objekt das Fehlen jedes synthetischen Sinns zu postulieren.“ (Laplanche 1998)

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    • Olaf Knellessen

      Und wenn man nun das erste Zitat von Freud und seinen Verweis auf das Symptom ernst nimmt, dann muss man ja sagen, dass Symptome vor allem dieses sind: Das Spiel zwischen dem Dissoziierten, dem Verdrängten, und dem Assoziierten, dem, mit dem wir bewusst verbunden sind, woran wir uns bewusst binden und auch klammern. Symptome sind dann nicht einfach Krankheitserscheinungen, die sie auch sein können, viel interessanter ist, dass sie Spielplätze sind.

      Und wenn wir mit der Verdrängung ja nicht von ungefähr auf die Hysterie zurück kommen, die ja die Quelle der Psychoanalyse ist, die Freud von seinen Patientinnen geschenkt bekommen hat, dann heisst das nur umso mehr, dass wir den Innenhof der Quellenstrasse zum Spielplatz machen werden, auf dem die Hysterie – vielleicht viel mehr als wir selbst – die Regie führen und sich in Szene setzen wird.

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  7. The Missing Link

    Natürlich ist es umstritten – wie könnte es anders sein: Das PSZ als sich selbst verwaltete Assoziation von Psychoanalytikern und an der Psychoanalyse Interessierter ist in seiner heutigen Form entstanden durch eine Dissoziation. Durch einen Ausschluss aus der SGP, Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Unterschiedliche Auffassungen in Fragen der Ausbildung und dem gesellschaftlichen und kulturellen Status der Psychoanalyse haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt.

    So wurde das PSZ zu einem Ort, an dem Aus-, Weiter- und Fortbildung nicht im Zeichen der Vermittlung von einer Wahrheit, einer richtigen Theorie und Praxis steht, sondern im Bemühen eine Erfahrung dessen zu vermitteln, dass Wahrheit keine singuläre ist, immer noch eine andere, mehrere andere mit sich trägt – und auch überträgt.

    Nicht erst staatliche Reglementierungen haben den Wunsch nach klareren Unterscheidungen, nach deutlicheren Hierarchien, die Forderung nach einer Vermittlung von Wissen verstärkt und prägen immer mehr die Situation am PSZ. Das Spiel um Dissoziationen und Assoziationen geht weiter, zieht andere Grenzen, formatiert die Felder des Austauschs neu.

    Natürlich ist all das umstritten – wie könnte es anders sein. Wir wollen weiter streiten.

    Ein Analysand träumt von seiner bevorstehenden Defense, für die ihm noch Zeit bleibt, für die er ganz zuversichtlich ist. Und er träumt davon, dass alles doch nicht fertig wäre, dass dieses und jenes noch fehle und er kommt ins Schwitzen. Einer von uns hat lange, lange Zeit geträumt – und träumt es gelegentlich immer noch –, dass seine Maturprüfung kurz bevorstehe, er aber keine Ahnung mehr von all dem Stoff hat, der da geprüft werden wird. Auch ihm wird es zunehmend mulmig, bis ihm dann irgendwann im Traum die Erinnerung kommt, dass er ja bereits einen akademischen Grad hat – und er muss schmunzeln.
    Natürlich kann man bei diesen Träumen an ähnliche von Freud beschriebene denken, in denen wie bei den Weckträumen die Erfüllung des Wunsches vorgegaukelt wird. Natürlich kann man sie auch auf dem Hintergrund der jeweiligen Biografie verstehen, aber vielleicht führen sie uns doch dieses Spiel von Dissoziationen Assoziationen vor, lassen sie uns lächeln und lachen darüber wie fragil die Anerkennung ist – und die von ihr eingenommenen Positionen –, was für Ausblicke umgekehrt all das Nicht-Abgeschlossene vermitteln kann.

    Sollte man das vielleicht nicht als durchaus Freud-vollen Anstoss dafür nehmen, wie unausgebildet psychoanalytische Ausbildung sein könnte und vielleicht sogar sein müsste?
    Unter dem Titel «Prüfungsträume» wollen wir diese Fragen als einen Austausch weiterführen, bei dem es nicht unbedingt um Antworten geht …

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    • Auffliegen

      Da geht es doch oft um das Auffliegen, in den Prüfungsträumen und den Phantasien zu bevorstehenden Prüfungen: Jetzt fliegt es auf, dass … – jetzt kommt alles aus.

      Dass … was eigentlich? Dass ich EIGENTLICH ja gar nichts weiss, dass ich EIGENTLICH ja gar kein Psychoanalytiker bin – dass ich nur so tue, als ob.

      Die Karrierefeministin Sheryl Sandberg spricht von „impostor syndrome“, vom Hochstaplersyndrom, als typisch weibliches Phänomen: Egal, wie viel sie schon erreicht hat, egal, wie viele Diplome sie schon hat, immer sitze ihr, der Frau, die Angst im Nacken, als Hochstaplerin aufzufliegen. Die Angst vor dem Auffliegen scheint mir aber nicht ans Geschlecht gebunden zu sein, oder?

      Ist es denn eine reine Angstphantasie, von der man (tag)träumt, oder ist da auch eine Lust am Auffliegen, eine Art Zeigelust vielleicht: nackt, frei von Diplomen und Qualifikationen erblickt zu werden?

      Auf jeden Fall scheint sie – die Angst und wohl auch Lust am Auffliegen und dass es, das Auffliegen, aber um jeden Preis verhindert werden muss, nicht passieren darf, das darf niemand sehen – sie scheint mir ein ganz wesentlicher Motor von PSZ-Prozessen in den letzten Jahren zu sein.

      Ja, wie wäre denn das, wenn das BAG, wenn sie alle sehen könnten, dass am PSZ … ja, was?

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      • Was wenn die Hysterie auffliegt?

        Übertreibung und Ansteckung – Hysterie at its best – bis man wirklich nichts mehr sieht oder immer nur das Gleiche im ewig anderen Gewand. Da kann es schon vorkommen, dass man gar nicht realisiert oder wahrhaben will, dass die Dinge tatsächlich in Bewegung sind und sich verändern.

        Würde dies zu erkennen nicht ein ebenso prächtiges Auffliegen bedeuten?

        Vielleicht schon – aber keine Angst: Einfach immer weiter hysterisieren, am besten mit einem rauschenden Fest!

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      • Olaf Knellessen

        Weiter zum Auffliegen – und auch zum Fertigmachen

        Der Aspekt des Beginnens, den Nicht-Abgeschlossenen, des Anfangens und Anfängers, der alles andere als nebensächlich ist, obwohl er genau dort verortet ist, nämlich nicht im Zentrum, das diese ausgesprochene Neigung hat, sich abzuschliessen.

        Und zum Auffliegen eine Geschichte, eine Prüfungsgeschichte mit alptraumartigem Charakter. Am Morgen der Promotionsfeier musste man in der Aula zur Probe erscheinen. Probe für die Aufführung, Probe fürs Fliegen, die zu einer Probe fürs Auffliegen wurde. Natürlich eine ganze Reihe von zu Promovierenden und man wurde über den Ablauf instruiert. Jede müsse gleich anschliessend hoch auf die Bühne und dort auf den Stühlen schauen, wo ihr Namen stehe, sich dann dort setzen und die weiteren Instruktionen entgegennehmen. Gesagt getan, langsam, man muss ja nicht die erste sein, ging ich hoch, alle waren am suchen und finden, sich setzen, ich suchte weiter und weiter, fand den Stuhl mit meinem Namensschild nicht – und plötzlich waren alle Stühle besetzt. Schweissausbrüche und da kam sie: Die Erinnerung, dass ich ja damals bei Aufnahme des Studiums die Auflage bekommen habe, noch ein Philosophie-Propädeutikum zu machen, was ich dann allerdings nie gemacht hatte. Jetzt also ist es aufgeflogen, dass ich das nie gemacht habe!!!!!!!!! Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Einer der Instruktoren erbarmte sich meiner, kam auf mich zu und fragte, was denn sei und ich meinte, dass ich meinen Stuhl nicht gefunden hätte.

        Dann stellte sich heraus, dass ich in der falschen Gruppe war, dass ich noch gar nicht dran war, mit dem Proben und deshalb mein Stuhl von jemand anderem besetzt war. Später hat es dann geklappt mit der Promotion.

        Wunderbar, das werde ich nie vergessen. Hat aber nicht dazu geführt, dass ich immer alle Auflagen zu erfüllen mich bemühe. Eher nicht eigentlich.

        Und natürlich könnte man auch hier eine Auflehnung gegen die Autorität – «Kann nicht zuhören» und «Wer nicht hören kann, muss fühlen» – sehen mit der damit verbundenen Kastrationsangst, die den Schweiss aus den Poren treibt. Und wer wollte solche möglichen Zusammenhänge bestreiten – ich also nicht.

        Aber vielleicht ist diese Geschichte auch ein Hinweis darauf, dass dieser Zustand der Fehlbarkeit zur Sache gehört, zur Sache der Promotion gehört. Und wenn sich die Frage nach der psychischen Entwicklung stellt und ihrem Zusammenhang zu Assoziationen Dissoziationen – und umgekehrt, dann könnte dies ein Hinweis sein darauf, dass die Promotion nicht ohne eine solche Fehlbarkeit vonstatten geht, dass es weiter auch dazu gehören kann zu dieser psychischen Entwicklung, dass man nicht immer alles hören muss, dass man nicht immer hörig sein muss, dass man auch nicht hört, um anderes hören zu können.

        Weiter könnte die Geschichte einen Bogen spannen, der im Moment eines Abschlusses, einer solchen Anerkennung – der Promotion – wieder zurück zum Anfang führt, an dem noch so vieles offen war. Dieser Bogen wäre dann der Hinweis darauf, dass der Abschluss gleichzeitig mit dem Anfang verbunden ist, dass er auch ein Anfang ist, dass er offen bleiben muss, weil wie sonst soll es offen bleiben.

        Deshalb scheint mir diese immer grösser gewordene Bedeutung des Abschlusses und der daran geknüpften Anerkennung auch etwas zu übersehen, dass es eben nicht einfach um einen Abschluss geht oder – mit anderen Worten –, dass es um einen Abschluss geht, der mit dem Anfang verbunden bleiben muss, mit diesem Anfang, an dem man noch gar nicht so viel weiss, in dem man voller Neugier und voller Begierde auf Neues ist. Nicht von ungefähr hat J.B. Pontalis einem seiner Bücher über Psychoanalyse den Titel Ins Beginnen verliebt gegeben. Es ist zudem ein literarisches Buch, das von Analysen erzählt, die Geschichten, die Literatur sind. Damit hat er natürlich das aufgenommen, was über Freud gesagt wurde – und als Begründung für den einzigen Preis, den er erhalten hat – einen Literaturpreis –, angefügt wurde, dass seine Fallgeschichten wie Novellen zu lesen seien. Damit hat er aber auch gesagt, dass dieses Beginnen, dieses Anfangen nicht nur ein Stadium des Anfangs ist, das dann abgeschlossen und zu einem Ende gebracht wird, sondern dass es ein Zustand, eine Haltung ist, die genuin zur Psychoanalyse gehört.

        Das heisst doch auch, dass mit einer solchen Anerkennung nicht etwas abgeschlossen wird und in dem Sinn noch weniger ausgeschlossen werden sollte. Es ist doch eher umgekehrt, dass ein solcher Ausschluss, mit dem man den Abschluss wertvoller machen zu wollen vorgibt, den Abschluss dann richtig abschliesst. Da wird dann die Ausbildung fertig gemacht, in verschiedener Hinsicht. Nicht nur wird die Ausbildung fertig gemacht, in dem Sinn dass sie immer eine des Anfangens ist. Darüber hinaus hat dieses «Fertigmachen» bei uns am PSZ des öfteren seine doch sehr hässliche Seite gezeigt, wenn Einzelne wirklich fertig gemacht wurden. Man müsste sich wirklich fragen, inwieweit dieses Fertigmachen nicht mit einem Verständnis von Abschluss zusammenhängt, das wieder mehr an Terrain gewonnen hat.

        Und das würde dem Auffliegen in der Tat noch eine weitere Bedeutung verleihen, nämlich die des Fliegens, des Auf-Fliegens, des Abhebens. Weil das Fliegen schon auch von solchen Zwängen befreit und befreien kann und damit das Auffliegen dessen, dass man fehlbar ist, wieder zum Fliegen verhelfen kann. Weiter ist aber auch nicht zu vergessen, dass Theorie durchaus mit dem Flug, mit dem Vogelflug zu tun hat, nicht einfach deswegen, weil man dann über den Dingen steht, sondern weil man sehr viel mehr sehen und immer noch etwas anderes sehen kann und damit plötzlich noch viel mehr in den Dingen ist, die dann eben nicht nur das eine, sondern viele sind. Im Übrigen hat dieses Fliegen durchaus mit dem zu tun, was Freud «gleichschwebende Aufmerksamkeit» genannt hat, der man also mit dem Auffliegen näher kommen könnte, die auch ein heisser Flug ist.

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        • Volker Hartmann

          Um ganz im Sinne der Assoziationsbildung die Verbindung von abschließen und anfangen auch von der Gegenrichtung her zu denken – also Pendant dazu, dass jeder Abschluss auch immer (noch) ein Anfang ist und mit dem Anfang, der zum Abschluss führte, verbunden ist.
          Diesen Gedanken konsequent weiterdenken heißt dies aber auch, dass jeder Anfang bereits ein Abschluss ist, bereits abgeschlossen ist. Das ist im Falle der Promotion ein Wunsch, der Wunsch zu promovieren bzw. die Arbeit zu machen, die zur Promotion führt. Dieser Wunsch ist bereits fertig gemacht, insofern er nämlich die volle Macht des Wunsches besitzt: zu treiben (zur Verzweiflung und zum Lachen), anzutreiben (gegen Hindernisse und zum Ziel – und darüber hinaus, er bleibt nämlich fertig gebildet, wenn der Abschluss erreicht ist, der ja, wie du sagtest ein Anfang ist. Warum? Weil der Wunsch immer noch fertig ist.), zu verwirren (sich und andere). Unabgeschlossen ist er natürlich darum, weil er nicht erfüllt ist und im Zuge des Prozesses neue Assoziationen hinzukommen, die ihn auch abwandeln. Diese Polarität in der Zeit zwischen Wunsch als Anforderung zu arbeiten und Wunsch im Sinne einer irgendwie gearteten (nie perfekten) Wunscherfüllung, haben Ralf Binswanger und Lutz Wittmann über das Verhältnis von Traumtheorie und Metapsychologie metapsychologisch sehr gut herausgearbeitet.
          Und dementsprechend gilt das auch für die Weiterbildung. Es geht doch nicht nur darum, dass man hier einen Abschluss macht, wobei von einigen überprüft werden muss, ob die Kandidatin es geschafft hat, diesen zu erreichen, und dementsprechend den Prüfenden die Aufgabe zufällt ggf. festzustellen, dass der Kandidat noch nicht fertig ist. Es ist im Gegenteil so, dass die Kandidatin hat bereits abgeschlossen hat, er ist bereits fertig und es ist aufgaben der überprüfenden festzustellen inwiefern dies im Einzelfall genau der Fall ist. Das ist so im mehrfachen Sinne: 1. Hat sie ein Studium abgeschlossen, er ist also nicht einfach ein Jugendlicher, der noch keine Ahnung vom Seelenleben hat und dieses jetzt erst in der Psychoanalyse kennenlernen muss: es sind abgeschlossene Akademiker, die einen neuen Anfang suchen. 2. Wer durch das Psychologie oder Medizinstudium gegangen ist und trotzdem zum PSZ geht, beweist durch diesen Akt allein, dass sie einen fertig gebildeten und genuinen Wunsch hat Psychoanalytiker zu werden. Diese beiden Studiengänge lassen nichts unversucht den Studentinnen klar zu machen, dass Psychoanalyse esoterisches Teufelszeug ist und man dies auf keinen Fall tun soll, ja am besten sollte man das sogar verbieten. Und dann kommt obendrein dazu, dass es die teuerste und langwierigste Weiterbildung zum Psychotherapeuten ist, die man machen kann. Wer dann trotzdem zum PSZ geht ist entweder vollkommen debil (was man ausschließen kann, weil sie ja ein Akademiker ist und Akademiker sind nicht vollkommen debil) oder aber hat einen starken Wunsch, der eben Hindernisse überwindet und auch andere verwirrt: „Warum geht sie ans PSZ? Ist er noch bei Trost?“ Diese letzte Frage scheint glaube ich auch viele bei der WBK umzutreiben nur im Form eines Misstrauens, das sich dann in einem argwöhnischen Überprüfen äußert, ob sie wirklich die richtige Motivation hat, wirklich richtig psychoanalytisch arbeitet oder nicht doch etwa…ja, was?

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      • Klaus Witz

        Und damit im Zusammenhang stehend ein tiefes Misstrauen. „Sind diejenigen, die die Weiterbildung machen wirklich richtig an Psychoanalyse interessiert? Arbeiten sie richtig psychoanalytisch? Beschäftigen Sie sich eigentlich richtig mit Psychoanalyse?“
        Man kann diesen Zweifel in vielen Aussagen, Handlungen und auch Vorträgen von WBK-Mitgliedern rausschmecken. Man fragt sich woher dieser Zweifel eigentlich kommt. Einige Aussagen, die mir von anderen Teilnehmenden in Weiterbildung über ihre Standortgespräche zu Ohren kamen, könnte man meinen, dass es vielleicht damit zu tun hat, dass die Weiterzubildenden von der Universität kommen und dort durch das Psychologie-Studium gegangen sind, also einem Studium, das die Studenten gegen die Psychoanalyse aufzuhetzen sucht. Die Weiterzubildenden werden argwöhnisch betrachtet, weil sie ja da hindurchgegangen sind. Es wäre zumindest eine naheliegende Verschiebung der Wut auf die Uni auf jene, die sie eben erst verlassen haben. Wenn man hier aber einen Schritt weiter denkt, dann ist dies doch gerade das, was im Gegenteil die Grundlage für ein tiefes Vertrauen sein könnte. Wer durch dieses Studium gegangen ist und sich trotzdem für das PSZ entscheidet, der hat offensichtlich sich eben nicht gegen die Psychoanalyse aufhetzen lassen und hat offensichtlich ein irgendwie geartetes Interesse an einer lebendigen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche und die Bereitschaft weiter hinzuhören, wo andere nicht hinhören. Mit dem Eintritt allein beweist man heute schon die Richtigkeit seiner Motivation. Das ist der Vorteil der heutigen Zeit! Aber stattdessen gibt es Misstrauen, wo es ein totales Vertrauen geben müsste. Ich denke, weil hier einfach dieser eine gedankliche Schritt nicht gegangen wird.

        Vielleicht ist der Grund auch ein anderer. Das Wort „Praxiserfahrung“ ist mindestens ein geflügeltes Wort ja irgendwie vlt eine Kompensation für die Ausgrenzung, die man ansonsten in der akademischen Welt erlebt, und vielleicht auch für den Mangel an Fähigkeit, seine eigene Praxis verbal zu reflektieren und für andere nachvollziehbar zu machen. Man ist ja in der Arbeit mit Patienten schlussendlich immer allein – allein mit dem Patienten. Einfach wegen der Tatsache, dass man in einem intimen Raum arbeitet, der abgeschlossen ist und sein muss. Es gibt etwas, das sich immer der Mit-Teilung entzieht, egal wie gut man darin ist, sich sprachlich auszudrücken. Wenn man diese Fähigkeit nicht so hat, wie man sie gerne hätte, dann liegt der Selbstvorwurf recht nahe, es liege an diesem Mangel und hätte man nur die Ausdruckfähigkeit der anderen, dann hätte man ihn nicht. Das muss natürlich eine sehr große Kränkung bedeuten. Die Fähigkeit theoretisch zu reflektieren, die manche haben, ist darum eine unbewusste Kränkung. Das Beschwören der Praxis und Praxiserfahrung lindert diese Kränkung, indem man sich versichert: „Ich muss garnicht teilen können, was ich mache, ich muss es einfach machen können.“ Aber diese Besänftigung ist genauso falsch wie die Vorstellung, es sei prinzipiell möglich, das was man tut, vollständig zu teilen. Man muss es versuchen, nicht weil es gelingen kann, sondern weil man scheitern muss. Aber dieses Scheitern ist eben das, woraus das Wissen in der Psychoanalyse gewoben ist. Und darin unterscheiden wir uns übrigens kein bischen von anderen Naturwissenschaften, die stets immer nur Annäherungen an die Wirklichkeit liefern können. Aber just dieses Annähern verlangt, dass es ein theoretisches Reflektieren der eigenen Praxis gibt. Der vorherrschende Praktizismus ist schlussendlich eine Abwendung von dieser Schwierigkeit. Und eine sehr schwerwiegende, denn wer von der Uni kommt, der hat eben notwendiger Weise noch keine Praxiserfahrung. Wenn man aber seine eigene Legitimation allein auf Praxiserfahrung gebaut hat, dann ist jemand, der die Weiterbildung beginnt, jemand dem jedwede Legitimation abgeht. Und wer keine Legitimation hat, der muss natürlich sehr genau überprüft werden. Und dies würde sich nicht übel mit der phantasmatischen Rolle, die das BAG in den Darstellungen vieler bekommen hat, vertragen. Da ist diese Figur, die erkennen könnte, dass wir keine Legitimation haben oder Leuten Legitimation erteilen, die sie garnicht haben. Was wenn das rauskommt? Wir vergeben Scheinlegitimation. Wenn das das BAG erfährt! Ja, was wäre dann? Da draussen laufen Therapeuten durch die Achtsamkeitstrainings oder kognitive Neubewertungen mit Patienten einüben und die haben auch eine Approbation. Die eigenössische Anerkennung ist grundsätzlich eine Scheinlegitimation. Allen voran deswegen, weil die Psychologen der Universitäten ihren Einfluss darauf so stark ausgebaut haben, dass man Psychologie studieren muss. Und der Abschluss in Psychologie ist die Scheinlegitimation schlechthin! Man trägt den Titel Master of Science: dieser Abschluss ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist, aber er wird eben anerkannt.
        Darum auch hier einfach konsequent zu Ende denken: Selbst wenn wir jemanden die Approbation geben, der „nicht richtig“ psychoanalytisch arbeitet, sellt sich die Frage, wo das Problem ist. Die Person versucht es doch wenigstens und allein das ist doch schon viel heilsamer als jedes Achtsamkeitstraining. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er genau wisse was richtig und falsche Psychoanalyse ist?

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    • Defense

      Und ist das nicht auch ein Wunsch an eine Analyse: dass die Defense zusammenbricht, dass sie nicht standhält, dass nicht mehr ewig Zeit bleibt sondern ziemlich wenig, dass man ins Schwitzen kommt.

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      • Offense

        Aber ist das ein Wunsch an die Weiterbildung? Oder an ein Gespräch, was ja die Standortgespräche sein sollen? Will man da zusammenbrechen?
        Und nein, das Ziel der Psychoanalyse ist nicht, dass die „defense“ also die Abwehr zusammenbricht, das wäre viel zu undifferenziert. Häufig ist das Ziel gerade das, dass eine Abwehr überhaupt entstehen kann. Oder das Ziel liegt gerade darin, dass ein Angriff möglich wird also eine Offensive möglich wird.

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    • Meinungsfrei

      Ich kann hierzu einen Satz beisteuern, der mir im Rahmen des sogenannten Standortgespräch gesagt wurde:
      „Es geht hier nicht darum, was Sie dazu meinen! Es geht hier darum, dass wir Ihnen sagen, was wir sehen und Sie haben das zur Kenntnis zu nehmen.“

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      • Klaus-Dieter

        In „Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ schreibt Freud:

        „Man darf daher sagen, die psychoanalytische Theorie ist ein Versuch, zwei Erfahrungen verständlich zu machen, die sich in auffälliger und unerwarteter Weise bei dem Versuche ergeben, die Leidenssymptome eines Neurotikers auf ihre Quellen in seiner Lebensgeschichte zurückzuführen: die Tatsache der Übertragung und die des Widerstandes. Jede Forschungsrichtung, welche diese beiden Tatsachen anerkennt und sie zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit nimmt, darf sich Psychoanalyse heißen, auch wenn sie zu anderen Ergebnissen als den meinigen gelangt.“ (GW X: 54)

        Dazu ein paar Gedanken:

        Die psychoanalytische Theorie ist ein Versuch. Ein Versuch eines Versuchs. Die psychoanalytische Theorie ist demnach nicht nur ein, sondern ein doppelter Versuch. Und sie ist nicht einfach ein Versuch, die Leidenssymptome eines Neurotikers auf ihre Quellen in seiner Lebensgeschichte zurückzuführen, sondern der Versuch, zwei Erfahrungen verständlich zu machen, die dabei auftreten, nämlich die Tatsache der Übertragung und des Widerstandes. Damit wird nicht nur das Feld der Übertragung weit geöffnet, sondern vor allem das, was Psychoanalyse ist. Bei ihr geht es um weitaus mehr als um die Leidenssymptome des Neurotikers, auch wenn diese der Ausgangspunkt, die Quelle der Erfahrung sind. Diese hat sich von ihrer Quelle gelöst, was bereits eine Übertragung darstellt.

        Und mit der Grosszügigkeit geht es gleich weiter. Wenn Freud schreibt, dass jede Forschungsrichtung sich Psychoanalyse nennen darf, die diese beiden Tatsachen anerkennt, auch wenn sie zu anderen Ergebnissen als den seinigen gelangt, dann spricht er seinerseits eine ziemlich weitgehende Anerkennung aus. Es ist eine Anerkennung, die den Widerspruch, den Widerstand, mit einschliesst und die Übertragung damit in den Gegensatz von Anerkennung und Widerspruch setzt.

        Die Anerkennung des Widerspruchs wird zum Widerspruch der Anerkennung. Der doppelte Versuch ist Versuch einer Verdopplung, die sich zudem in sich dreht. Denn es geht nicht einfach um eine Verdopplung, sondern um die Verdopplung eines Gegensatzes. So wird das «zurück» im «zurückführen», zu einem, das in beide Richtungen geht.

        Weiter ist es offensichtlich nicht nur so, dass der Neurotiker überträgt. Wenn nämlich Freud die Symptome auf die Lebensgeschichte zurückführen will, nimmt vor allem er eine Übertragung vor. Ist also Freud der Neurotiker, von dem er spricht, wird damit die psychoanalytische Theorie zur Neurose?

        So geht Freud dem Neurotiker grossartig und wie gesagt grosszügig voraus. Er setzt zu sich selbst in Widerspruch und macht das zur Psychoanalyse. Die falschen Verknüpfungen – als eine der Definitionen der Neurose – werden so zu richtigen. Und die Psychoanalyse zu einem Unterfangen, dass in den falschen Verknüpfungen die richtigen sieht. Das macht sie aus, die Psychoanalyse. Sie führt uns dorthin, wohin wir nicht wollen. Das hat schon Johannes gesagt, aber das macht ja nix, weil es nicht einfach um die Quellen geht, sondern um das Spiel von richtig und falsch, um die Verdopplungen und Wendungen und ihre Übertragungen. Und darum, falsch zu liegen. Das ist doch eine in der Tat sehr grosszügige Ermunterung von Freud zurück in die Gegenwart: Man muss es nicht richtig machen.

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        • Friedrich

          Selbstverständlich ist Freud der Neurotiker. Und das war ihm beim Schreiben mit Sicherheit bewusst. Die witzige Wendung, die du dem gibst, wenn du fragst, ob nicht Freud der Neurotiker ist, liegt in der Intention des Autors. D.h. du hast den Witz für uns verstanden, danke!
          Oder wer will ernsthaft behaupten, Freud habe sich nicht selbst als Neurotiker gesehen, wenn man einerseits Freuds Fähigkeit zur genauen Analyse psychischer Phänomene (insbesondere bei sich selbst – siehe Die Traumdeutung) und andererseits Freuds Vielzahl an offenkundigen und ja geradezu schreienden neurotischen Symptome (siehe Briefwechsel mit Fliess) betrachtet?
          Die Frage ist nur: haben alle so viel Sinn für Humor, wenn es darum geht festzustellen, was jemand mit einem Text aussagen will? Sicherlich nicht jemand, der bei einem Gespräch über einen Text, die Meinung des Anderen nicht hören und zu Wort lassen will.

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          • Kunigunde

            Auch diese Apotheke in Konstanz hat Humor gezeigt:

            Unzweifelhaft hat sie Korrektheit bewiesen, da ja das «M» da nicht mehr sein darf. Sie hat es sofort fallen lassen, das «M» ist zum Abfall geworden, von dem wir ja wissen, dass er nicht das Unwichtigste von uns ist. Aber weg ist weg. Stattdessen haben wir nun die Ohren und werden darauf hingewiesen, dass wir diese zu spitzen habe. Die Apotheke wird ganz sicherlich das nötige Medikament dazu führen – eines für spitze Ohren. Und es ist auch klar, was man da hören muss: Darauf hat ja schon Mladen Dollar, aber längstens vor ihm die Schallplattenfirma Deutsche Grammophongesellschaft und die Emi mit dem wunderbaren Bild hingewiesen, das sie zu ihrem Logo gemacht hat, His Master’s Voice.

            Wir müssen also die Ohren spitzen und zum Hund werden, der sich natürlich als Spitz entpuppt – dies natürlich ganz ohne Gewehr. Mit dem Spitz muss man allerdings auch wieder aufpassen, weil zu spitz dürfen die Ohren ja auch nicht sein, denn sonst könnten sie ja anecken und schon gleich gar nicht sollten sie sexuelle Konnotationen auslösen, die man dann mithören könnte.

      • Sigismund Schlomo

        „Die technischen Regeln, die ich hier in Vorschlag bringe, haben sich mir aus der langjährigen eigenen Erfahrung ergeben, nachdem ich durch eigenen Schaden von der Verfolgung anderer Wege zurückgekommen war. Man wird leicht bemerken, daß sie sich, wenigstens viele von ihnen, zu einer einzigen Vorschrift zusammensetzen. Ich hoffe, daß ihre Berücksichtigung den analytisch tätigen Ärzten viel unnützen Aufwand ersparen und sie vor manchem Übersehen behüten wird; aber ich muß ausdrücklich sagen, diese Technik hat sich als die einzig zweckmäßige für meine Individualität ergeben; ich wage es nicht in Abrede zu stellen, daß eine ganz anders konstituierte ärztliche Persönlichkeit dazu gedrängt werden kann, eine andere Einstellung gegen den Kranken und gegen die zu lösende Aufgabe zu bevorzugen.“

        „Ratschläge für den Arzt bei der psychoanalytischen Behandlung“

        Den Geist dieser Worte fortsetzend könnte man sagen:
        Dementsprechend möchte ich demjenigen, der in Zukunft Ärzte und Laien in der psychoanalytischen Technik ausbilden möchte, sich zur Aufgabe zu machen, den Lernenden nicht die Technik, die man für seine Individualität gefunden hat, aufzudrängen, als ob es eine unfehlbare Technik wäre, wie dies in der Chirurgie manchmal der Fall ist – wobei auch hier dem einzelnen Operateur noch genügend Freiheit verbleibt sich die Technik so anzueignen, wie es ihm seine individuelle Motorik gestattet. Vielmehr sollte der Lehrer versuchen den Lernenden bei der Herausarbeitung seiner Technik begleiten, indem er ein Gespräch anbietet, in dem der Lernende die Entscheidungen, die er in der klinischen Situation getroffen, überdenken und verstehen kann, ja vielleicht gerade dadurch überhaupt als solche erkennen. Es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, dass der Lehrer seine eigene Technik als einen Erfahrungsschatz präsentiert aus dem sich der Lernende bedienen kann; allein obliegt es dem Urteil des Lernenden, welche Teile dieses Schatzes er sich aneignen will. Es ist in jedem Fall davon abzuraten als Lehrer den Wunsch zu folgen, den Lernenden vor Fehlern behüten zu wollen. Allein schon, weil dies eine Unmöglichkeit darstellt und sich der Lehrer damit eine Aufgabe stellt, an der er scheitern muss, mit allen Konsequenzen, die dies mit sich bringt. Aber mehr noch und auch besonders aus der Erwägung heraus, dass man, wie der Volksmund weiß, aus Fehlern schlau wird. Selbst wenn also das Bewahren vor Fehlern möglich wäre, würde man damit den Lernenden eben die Fähigkeiten vorenthalten, die wir geneigt sind als ein technisches Wissen zu bezeichnen, und ihn schlussendlich vom Lehrer abhängig machen anstatt ihn zum selbstständigen Kliniker auszubilden. Vielleicht ist das, was wir Technik zu nennen gewohnt sind, psychologisch betrachtet, nichts weiter als die zur Handlungsgewohnheit geronnene Schlauheit.

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    • Staatsdiener ohne Uniform

      Ich habe in meinem Standortgespräch I einen sehr lehrreichen Satz gesagt bekommen, von dem ich viel gelernt habe.
      „Unsere Aufgabe ist es, Ihnen gegenüber den Staat zu vertreten.“

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    • Kassandra

      Ich denke am PSZ herrscht derzeit eine grosse Dissoziation in der Weiterbildung vor. Einerseits gibt es da den allgemeinen Seminarbetrieb, in dem man allgemein das vorherrschend findet, was man als den Geist des PSZ bezeichnen könnte und das sich doch im Grossen und Ganzen mit der allgemeinen Selbstdarstellung des PSZ deckt. Also ein allgemeiner offener Raum, in dem wild in alle möglichen Richtungen gedacht wird. Manchmal vielleicht etwas zu wild für den Geschmack der Einen oder des Anderen, aber diese Wildheit sichert doch, dass prinzipiell Jede und Jeder Gedanken und Sichtweisen teilen und einen Platz finden kann. Von anderen Teilnehmerinnen in Weiterbildung habe ich bisweilen den Wunsch vernommen, dass es doch Kurse geben möge, die die Grundlagen vermitteln sollen – ein Wunsch, dem meines Wissens nach aber auch nachgekommen werden wird. Aber alles in allem ist der Weiterbildungsbetrieb doch so beschaffen, dass man seine Nische finden kann. Schlussendlich ist ja die Weiterbildung (d.h. der theoretische Teil derselben) ohnehin ein Prozess den man selbstständig bestreiten muss. Und der offene Geist des PSZ, bei dem das Dogma herrscht, dass kein Dogma herrschen darf, stellt dann doch sicher, dass man sich doch früher oder später traut seine Ansichten zu teilen und so ins Gespräch zu kommen.

      Und dann wären dann die vom Curriculum vorgegebenen Standortgespräche und das Kolloquium. Hier taucht dann häufig für viele, zumindest für viele Kolleginnen in Weiterbildung, ein vollkommen anderes Gesicht auf, das mit dem üblichen Geist des PSZ nichts mehr gemein hat, dafür aber gemein ist. Statt einer allgemeinen Offenheit für verschiedene Sichtweisen und einer wohlmeinenden Unterstützung, die man als ein, „du schaffst das“, bezeichnen könnte, bekommt man eine anherrschende Zurechtweisung, die man mit, „du kannst gar nichts“, zusammenfassen könnte. Es mangelt hier auch an einem spürbarem Bemühen darum, die Teilnehmerin in Weiterbildung bei ihrem Standpunkt abzuholen. Wenn die Gesprächsleiter der WBK eine Textpassage des Portfolios nicht verstehen, wird dies sofort als eine Schwäche des Textes ausgelegt und nicht etwa versucht mit der Autorin des Textes im Gespräch herauszuarbeiten, was die Passage denn meint. Und das alles wäre sogar noch verzeihbar, wenn sich dazu nicht ein eklatanter Mangel an Freundlichkeit, Respekt und elementaren zwischenmenschlichen Umgangsformen gesellen würde. Um nur einige zu nennen: ein wiederholtes Unterbrechen des Gegenübers, allgemeines Anherrschen, Unterstellungen und Suggestionen von psychischer Pathologie und gänzliches Ignorieren von vorgebrachten Erklärungen; und schliesslich wird die Weiterzubildende dazu genötigt von ihrem eigenen Leidensprozess zu berichten. Es geht mir hier nicht um eine Kritik an den Inhalten der Positionen oder darum, dass die Gesprächsleiter der WBK gewisse Dinge an den Portfolio-Texten als schlecht einstufen. Das gehört dazu, keine Frage, das hat aber auch jede und jeder, spätestens in Laufe seines Studiums bereits gelernt, dass jemand anderes einen Text für nicht genügend einstuft. Mir geht es darum, dass ein Verhalten gezeigt wird, das einfach inakzeptabel ist und schlichtweg eine Form des Machtmissbrauchs darstellt, was einer psychoanalytischen Institution, die sich wie das PSZ so sehr zur Offenheit, Pluralität und Freiheit von Hierarchie bekennt, unwürdig ist. Darum laufen Erklärungen der Art, dass Psychoanalyse zu lernen auch immer ein Prozess ist, bei dem man sich um eigene persönliche Reifung bemühen und lernen muss auch Unangenehmes zu konfrontieren, und dass man auch lernen muss, dass der eigene Wunsch nach Anerkennung frustriert werden kann, vollkommen ins Leere. Das Problem ist hier nicht Anerkennung sondern die Tatsache eines existierenden Verhaltens, dem schlichtweg die elementare menschliche Sittlichkeit abgeht. Das ist keine Kritik auf der Eben von Psychoanalyse sondern von elementarem menschlichen Verhalten.

      Dem muss natürlich eine wichtige Relativierung angehängt werden, die aber ihrerseits vielleicht ein Problem aufzeigt. Das eben Gesagte gilt natürlich nicht für alle Mitglieder der WBK; überhaupt ist die Formulierung „die WBK“ problematisch. Ich für meinen Teil hatte mit zwei anderen Teilnehmerinnen der WBK mein Eintrittsgespräch. Das Eintrittsgespräch fand ich im Gegensatz zu den beiden Portfoliogesprächen sehr gut und würde auch den beiden Teilnehmern in der WBK gerne dafür gratulieren. Da hatte ich das Gefühl, dass sich zwei Leute Zeit nehmen und die Mühe machen, mir zuzuhören und mich in meiner jetzigen Situation abzuholen. Ich hege keinen Zweifel, dass diese beiden die Standortgespräche zumindest versuchen in ähnlicher Weise durchzuführen und es ihnen häufig genug auch gelingt. Aber es gibt aber zwei andere Teilnehmerinnen der WBK, von denen ich das oben Geschriebene schreiben muss und von Kolleginnen und Kollegen habe ich sehr ähnliche Erfahrungen mitgeteilt bekommen. Und diese Problematik (dass ein bis zwei Teilnehmer der WBK sich immer wieder in Ton und Wortwahl vergreifen und Weiterzubildende versuchen niederzumachen) muss, wenn nicht allen so doch den meisten, übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der WBK bekannt sein. Warum sie nichts dagegen tun, kann ich mir gut vorstellen. Gruppen, die mit Führungsaufgaben betraut sind, wie die WBK dies ist, neigen dazu eine Gruppenkohäsion zu entwickeln, durch die es dann ungeheuer schwer wird, dass innerhalb der Gruppe selbst, jemand ein Problem anspricht oder von den übrigen Gruppenmitgliedern konfrontiert wird. Wer führt schon gerne Streit in seiner Arbeitsgruppe herbei, vor allem dann, wenn damit garnicht das eigene Interesse verteidigt wird. Also hört, sieht und sagt man nichts und belässt es beim bestehenden Frieden – auch wenn es ein Frieden ist, unter dem dann andere leiden müssen. Aus dieser Gruppenkohäsion erklärt sich dann möglicherweise auch, warum die Arbeitsweise der WBK wenig transparent ist. Der und die Einzelne möchte wohl in der Regel nichts nach aussen dringen lassen, um nicht in den Fokus der Kritik der anderen Gruppenmitglieder zu geraten. Auch das ist menschlich nachvollziehbar, aber trägt eben zur Zementierung von Zuständen bei, die zum Schaden der Weiterzubildenden sind.
      Es gäbe aber mindestens zwei Massnahmen, die sich jederzeit einführen liessen und die dieses Problem beseitigen könnten:
      1. Man könnte das Mandat von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der WBK zeitlich begrenzen (auf ein Jahr z.B.) und sie dann von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Weiterbildung wählen lassen.
      2. Man könnte, nein müsste (denn dies ist in jeder höheren Bildungsinstitution standard), zu jedem Standortgespräch ein Protokollführer bestimmen, der aus dem Stand des Weiterzubildenden ist, d.h. einen andere Weiterzubildenden oder ein Teilnehmer, der vom Weiterzubildenden nominiert wird.
      Mindestens die zweite Änderung könnte die WBK morgen beschliessen, womit ein grosses Problem, das derzeit existiert, vielleicht nicht gänzlich gebannt aber doch zumindest in seinem Ausmass deutlich eingeschränkt wäre. Oder die TV beschliesst es. Egal wer: es muss sich etwas tun, weil diese dissoziierte Zweigesichtigkeit, die derzeit am PSZ herrscht, ein inakzeptabler Zustand ist. Es ist wohl auch nicht auszuschliessen, wieso so viele mit dem Abschluss der Weiterbildung aufhören sich am PSZ aktiv zu beteiligen.

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    • Wir sind die Weiterbildenden!

      Zu dieser Frage wollen wir mal einen derzeit aktuellen Anlass heranziehen, der Licht darauf wirft, wo Dinge im Argen liegen: dass die WBK und die SL sich derzeit die Wirklichkeit in der Weiterbildung zurechtdeuten und damit verschleiern (wahrscheinlich allen voran vor sich selbst), dass sie sich Macht angemasst haben, kann man aus ihrer Begründung herauslesen, mit der ein konkreter Antrag abgewiesen wurde (eine ziemlich gewagte Massnahme, wenn man bedenkt, dass die TV das höchste Organ des Vereins ist und sich die SL damit anmasst über der TV zu stehen; die Begründung, dass der Antrag formal nicht haltbar ist, darf man als gewagt bezeichnen, nicht zuletzt darum, weil dies festzustellen die Aufgabe von Gerichten und nicht der SL ist).

      „In unserem Sprachgebrauch würden wir das, was ein Mitglied in einem Text als «Zurückweisung» benennt, als Rückgabe der Arbeit zur Überarbeitung verstehen. Das ist etwas anderes als die Ablehnung der Arbeit. In der Regel bedeutet die Ablehnung einer Arbeit, dass sie nicht angenommen wurde.“

      Ja aber genau das ist doch genau das, was die WBK wiederholt gemacht hat! Wenn eine Arbeit zurückgewiesen wird mit dem Auftrag sie grundsätzlich zu überarbeiten, weil sie den Anforderungen, die an sie gestellt sind, nicht genüge – was tatsächlich schon passiert ist -, dann ist das doch eben eine Ablehnung der Arbeit. Man muss schon juristische Gedankenakrobatik leisten, um einen praktisch relevanten Unterschied in einer Rückgabe zur kompletten Überarbeitung von einer Zurückweisung zu entdecken. (Erinnert mich ein wenig an den Witz vom Hispanak. Hispanak ist ein real existierendes Fabelwesen: ein Pferd mit dem Kopf eines Hasen; und dem Körper eines Hasen. Wird es erschreckt, galoppiert es davon, wobei mit Galopp ein Rennen mit Haken gemeint ist.)

      „Unseres Erachtens hat also die WBK keine inhaltliche Änderung vorgenommen, sondern beurteilt die Arbeiten sowohl im quantitativen als auch im qualitativen Bereich so, wie sie dies von Anfang an getan hat. Der Unterschied ist wohl der, wie es [ein ehemaliges Mitglied der WBK] beschreibt, dass dabei Erfahrungen gesammelt wurden, die es ermöglichen, dass die Mitglieder der WBK die Verantwortung einer Beurteilung zunehmend übernommen haben.
      Nehmen wir einmal an, wir würden den qualitativen Teil gleich behandeln wie den quantitativen, so würde das bedeuten, dass bestätigt wird, dass die schriftliche Arbeit eingereicht wurde, sie aber zu lesen, würde dann ja keinen Sinn mehr machen.“

      Ob die WBK damit inhaltliche Änderungen vorgenommen hat, ist eine Frage, die nicht die SL sondern die TV oder allenfalls ein Gericht beurteilen muss. Aber jenseits von juristischen Formalitäten ist das vollkommener Unsinn, was die SL da geschrieben hat. Die Standortgespräche sind doch als „Gespräche“ deklariert, die dazu dienen gemeinsam den Lernprozess zu reflektieren. Der Text dient dabei als Grundlage, als gemeinsame Referenz. Man könnte z.B., wenn man über die entsprechende Kreativität (böse Zungen würden ergänzen: exegetische Kompetenz) verfügt, den Text als eine dritte Person behandeln – gewissermassen eine konstruktive Dissoziation zwischen Autor und Gesprächsteilnehmerin, die gegenübersitzt, vornehmen – über die man sich austauscht und gemeinsam ins Gespräch kommt. Vielleicht kommt man ja über Umwege dahin, dass die Weiterbildende plötzlich dem Autor widerspricht, dann haben wir einen Gespräch zwischen diesen beiden durch Dissoziation hergestellten Personen, die in Assoziation treten. Wem das hier als eine „intellktuelle Akrobatik“ erscheint, der möge sich das doch bitte konkret vorstellen. Wie würde man das selber erleben? Also mir ist das schon passiert und ich musste lachen, oder auch mal etwas unheimlich erschaudern. Das sind hochemotionale Momente, in denen man plötzlich merkt, dass auch im eigenen Denken etwas herumspukt bzw. Schabernak treibt.
      Das war jetzt alles nur ein Beispiel, das vielleicht mehr für mich und weniger für andere funktionieren könnte, darum ein anderes Beispiel. Man könnte gemeinsam vom Text ausgehend die Gedanken des Gesprächs weiter führen. Wohin kommen wir, wenn wir diesen oder jenen (Ab)satz weiterspinnen? Was für Fragen ergeben sich dann? Fragen ist ein gutes Stichwort: Man könnte als Gesprächsführer von WBK-Seite her auch einfach konsequent in der Position des Fragens bleiben (ich hege die Vermutung, dass die eine oder der andere das auch so handhabt) und so nach sokratischem Vorbild noch etwas herausholen.
      Man kann auch den Text nur als Anstoss nehmen und überhaupt mal ein ganz allgemeines Gespräch führen. „Wie läuft es mit den Kursen?“ „Wie läuft es in der Arbeit?“ Man kann so viel machen mit dem Text ohne die Möglichkeit zu besitzen ihn überarbeiten zu lassen. Provokativ gesagt, um mal die Weite des Horizonts, den die Kreativität spannen kann, aufzuzeigen: man könnte ihn Ausdrucken, mit dem Papier Figuren falten und mit diesen ein Psychodrama machen. Das wäre allemal konstruktiver als was manche Mitglieder der WBK auf Grundlage der, wie sie meinen, erworbenen Fähigkeit zu beurteilen, ob ein Text „Anforderungen“, die nie explizit formuliert wurden, erfüllt oder nicht, in den Standortgesprächen machen, wodurch sie das Wort „Gespräch“ ad absurdum führen.
      Zumal die WBK überhaupt nicht davon sprechen kann, dass eine Arbeit die Anforderungen nicht erfüllen würde. Die schriftlichen Vorgaben an den Portfolio-Text sind derart unspezifisch, vage und opak, dass so ziemlich jeder Text, der einen eigenen Standpunkt vorbringt, als die Aufgabe erfüllend bezeichnen kann – und muss. Es werden dann natürlich ad hoc, also am Standortgespräch selbst, Anforderungen formuliert, von denen aber der Weiterbildende vorher nichts wusste. Dazu als Nebenbemerkung: Wenn die Anforderungen nie schriftlich festgehalten wurden, ist es schlicht unmöglich so etwas festzustellen. Dann handelt es sich lediglich um Willkür. Es gibt einen guten Grund weswegen ein römischer Rechtsgrundsatz, der noch heute gilt, lautet, dass Normen schriftlich festgehalten werden müssen, also schriftlich gesetzt sein müssen: daher das Wort „Ge-setz“. Und daran ändert auch keine theoretische Paradeübung auf Grundlage von Axel Honneth nichts. Plötzlich über Probleme der Anerkennung zu sinnieren lenkt lediglich von der Tatsache ab, dass hier elementare Grundsätze des Rechts nicht eingehalten werden.

      Kurzum: Es ist eben nicht notwendig, dass ein Text abgelehnt werden kann, damit es Sinn macht, sie zu lesen. Und um das Beispiel der Verteidigung der Dissertation heranzuziehen. Dissertationen werden nur äusserst selten wirklich zurückgewiesen. Das ganze Manöver oder Ritual der Verteidigung ist nicht wirklich eine Verteidigung im Sinne eines tatsächlichen Angriffs, sondern es ist ein klären, ob der oder die Einreichende die Gedanken, die er oder sie vorgelegt hat, auch tatsächlich beherrscht (in dem Masse, dass man davon ausgehen kann, dass er der Autor ist). Die Möglichkeit der Ablehnung ist wie die Rolle der Gewalt auf der Seite des Mächtigen: sie wirkt gerade dann am besten, wenn sie nicht verwendet wird. Permanente Gewaltanwendung entlarvt einen machtlosen Mächtigen.

      Darum abschliessend zur Frage der SL: „Möchten das die Weiterzubildenden, die viel Zeit und Arbeit in die Texte gesteckt haben, wirklich?“

      JA, DAS WOLLEN WIR!

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      • olaf@knellessen.ch

        Im Kinderbuch Der rote Luftballon findet Pascal diesen als Freund. Plötzlich taucht er auf, dieser rote Luftballon, begleitet ihn auf seinen Wegen, wartet vor dem Schulhaus, fliegt neben dem Bus her, weil er da nicht rein darf. Und mit ihm findet er sogar eine kleine Freundin – mit einem gelben Luftballon. Traumhaft natürlich. Aber dann kommen die anderen Jungs mit ihren Steinschleudern, passen ihn mit seinem Freund auf einem Feld ab und natürlich passiert es: Sie treffen ihn und es ist aus mit dem roten Luftballon.

        Beim Open House des Theater Neumarkt vor inzwischen fast 2 Jahren haben wir einen riesengrossen Strauss von Luftballonen aufgeblasen. Das war keine leichte Arbeit, immer wieder ist einer mit lautem Knall zerplatzt, wir erschraken und mussten dann lachen. Aber es ist gelungen und wir haben sie stolz aus dem Haus auf die Strasse gezogen und uns dort mit ihnen neben unserer Traumstation aufgestellt. Man sollte sie sehen, die Luftballons, die wie Träume bunt in der nachmittäglichen Sonne leuchteten, beinahe schon glitzerten.

        Und dann war es so weit: Auf «Los» ging’s los und wir liessen sie los und sie stiegen auf in den blauen Himmel, immer höher, immer höher, die einen nach links, die anderen nach rechst, die einen schneller, die anderer ein wenig hintendrein – es war ein wunderschönes Bild. Aus dem roten Luftballon wurden viele bunte und sie schwebten mit unserer Aufmerksamkeit und den sehnsüchtigen Blicken davon – natürlich gleichschwebend.

        Vorher hat gab es noch eine wunderschöne Geschichte dort. Wir hatten ja unsere Traumstation aufgestellt, ganz psychoanalytisch mit Couch und Sessel, alles ein wenig von einem Paravent verdeckt, auf dem natürlich via regia stand. Dort waren Besucher und Passanten eingeladen, sich auf die Couch zu legen und einen Traum zu erzählen, dem wir zuhörten und deuteten. Einmal setzten sich zwei junge Frauen auf die Couch und schauten uns erwartungsvoll an. «Ob sie auch einen Traum erzählen wollen?», fragten wir sie, – «Ja, sehr gerne» – «Ja, alle beide?» – «Ja, jede von uns einen» – «Ja, hintereinander oder zusammen?» – «Ne neee, zusammen?» – «Also gut, wunderbar!» Und so war es dann auch, zuerst erzählte die eine, dann wir, die andere hörte zu, dann ging es weiter mit einem Traum der anderen und wir deuteten. Und es war spannend, es war aufregend und anregend für uns alle – natürlich mindestens zwei bunte Luftballons.

        Dann mussten wir kurz weg, kamen nach einer Weile wieder, da sassen die beiden immer noch auf der Couch und jemand anderer im Sessel und sie waren sehr ins Gespräch vertieft. Dann stand der junge Mann auf ging, wir setzten uns dazu und die beiden erzählten, dass es sich umgekehrt hätte. Als sie nach unserem Weggehen weiter dort sassen, kam der junge Mann und fragte, ob er einen Traum erzählen könnte. Wir waren nicht da und sie meinten «ja, klar». Und so war es auch und auch das war sehr gut, alle fanden es spannend und waren zufrieden, hatten etwas gehört und erfahren.

        Wunderschön! Die Positionen hatten sich vertauscht. Eine Ausbildungssituation! Ein Gespräch vom einen zum anderen und aus den Erzählerinnen von Träumen wurden Erzählerinnen von Traumdeutungen wurden Erzählerinnen von Träumen und wir zu Erzählerinnen von Geschichten von Ausbildung von Träumen.

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  8. olaf@knellessen.ch

    Eine Sendung des Schweizer Fernsehens zum Tod, zur Angst vor dem Tod und einem Umgang damit:

    https://www.srf.ch/kultur/wissen/wochenende-wissen/drogen-als-medizin-lsd-vom-arzt-auf-dem-richtigen-trip-gegen-depressionen?wt_mc_o=srf.share.app.srf-app.sms

    Der Tod ist das Andere par excellence. Er ist für die Lebenden nicht zugänglich, da scheint eine Grenze markiert, mit deren Überschreiten eine Rückkehr nicht mehr möglich ist. Die Bedeutung dieses Zurück wird in der Sage von Orpheus und Eurydike wunderschön beschrieben. Mit seinem Gesang erweicht Orpheus alle Herzen, selbst Kerberus, der Höllenhund, hört auf zu bellen und Hades gibt ihm die Möglichkeit, Eurydike wieder ins Leben zu führen. Er müsse einfach vorangehen und immer weiter spielen und singen und singen und spielen und dürfe sich nicht umdrehen. Wir wissen, was passiert ist.

    Gilt also für dieses Verhältnis von Dissoziation Assoziation, dass es nicht heissen kann – und umgekehrt? Schon seit vielen Jahren gibt es nicht nur in Kalifornien Tanks, in denen Menschen eingefroren sind, um nicht auf ihren Tod warten zu müssen, sondern darauf, wieder zurück ins Leben kehren zu können. Ja, nein, sie sind nicht tot, aber sie leben auch nicht mehr. Sie sind Zombies, deren Hoffnung auf Erlösung im Weiterleben besteht und nicht darin, sterben zu können.

    In Geboren mit Sand in den Augen – Die Autobiographie des Führers der Tuareg-Rebellen schildert Mano Dayak, dass bei den Tuareg die Toten losgelassen, dass an sie keine Gedanken verschwendet werden, weil das Wichtige das Leben ist. Auch in dieser extremen Abwendung von dem, was nicht mehr ist, hört das Dissoziierte nicht auf, Bedeutung zu haben, ganz im Gegenteil: Es intensiviert das Leben, lässt es auf der Haut brennen, lässt es tränen, wirkt wie eine Droge.

    10 Jahre nach dem Absturz des Flug 111 nach New York lud die Swissair die Angehörigen und Hinterbliebenen zu einer Gedenkfeier nach Halifax ein. In der Sendung des Schweizer Fernsehens wurde eine ortsansässige Frau interviewt, die zu dem Ereignis meinte, dass die Toten das doch gar nicht wollen würden, sie wollten ihre Ruhe. Wir wissen es nicht, auf jeden Fall zeugt auch diese Bemerkung von der immensen Unruhe, um die es geht, die einen nicht loslässt im Leben.

    In Totem und Tabu schildert Freud, wie die Einverleibung des Getöteten – und damit ja auch des Tods –, das Zusammenleben strukturiert, es zu einem gesellschaftlichen und sozialen Zusammenleben macht.

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  9. Insa Haertel

    !!!

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